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Das ist das Thema meiner Briefmarken-Motivsammlung.
Seit Jahrtausenden, ja, seit Jahrzehntausenden hat der Mensch das Bedürfnis gehabt, in bestimmten Situationen seine Gefühle, seine Wünsche, seine Gedanken, seine Ansprüche, seine Rechte und vieles andere mehr irgendwie wiederzugeben, musikalisch, durch die Sprache, aber eben auch durch etwas dauerhaftere Darstellungen. Zum Beispiel durch bildliche Darstellungen. Das jedenfalls dort, wo es sozusagen technisch gesehen möglich war. Die Höhlen Frankreichs und Spaniens, Lascaux, Niaux, Altamira und viele andere mehr eigneten sich dafür besonders gut und leicht. Wo es solche Möglichkeiten nicht gab, z. B. in Skandinavien oder in Nordafrika oder in Norditalien, musste der Mensch andere Wege gehen. Eine Möglichkeit war, sich im Fels zu verewigen. Er ritzte – ein schweres Unterfangen – Linien in den Fels, in das Granit, oder bohrte Löcher in den Stein, alles mit sehr primitiven Werkzeugen, meistens einem Stein. Die so erzeugten Linien sind häufig genug bei Tageslicht überhaupt nicht zu sehen, allenfalls, wenn man darin sehr geübt ist, zu ertasten. Aber bei stockdunkler Nacht und sehr niedrigen Scheinwerfern kann man sie durch ihre Schattenbildungen erkennen. Die Menschen, die diese Ritzungen anlegten , haben sie deshalb auch mit (meist roter) Farbe gekennzeichnet, die natürlich im Laufe der Zeit so gut wie völlig vergangen ist. Aber Farbreste aus alter Zeit haben das bestätigt.. Die Farben allerdings, die man heutzutage sieht, hat man erst jetzt aufgetragen, damit auch der heutige Mensch (der oft genug der Tourist ist!) erkennen kann, was den Menschen in der Steinzeit oder der Bronzezeit bewegt und bewogen hat. Vernünftigerweise handelt es sich dabei meistens um Farben, die rasch wieder durch die Witterungseinflüsse fortgewaschen und damit verschwunden sind, damit die Archäologen sich leichter mit dem Ursprung der Ritzungen befassen können. In wenigen Fällen sind allerdings die Farben aus alter Zeit noch heute erhalten, z. B. in Schweden. Besonders in Jämtland, in der Mitte Schwedens gelegen, findet man solche Felsmalereien (hällmålningar) aus der Jungsteinzeit inVågdalen, Skärvången, außerdem in dem südlich davon gelegenen Härjedalen auf Flatruet. Hier hat die Natur die meist auf senkrechten und vom Regen nicht so leicht erreichbaren Felswänden angelegten Malereien mit einer Art natürlichem durchsichtigen Acryl überzogen. Die Farben, wenn auch schwach, sind durchaus noch heute erkennbar – und sie sind durchweg rot. Wenn man sie deutlicher sehen will, müsste man die Fundstelle anfeuchten. Aber das ist vernünftigerweise verboten, denn das heutige Wasser kann diese Schutzschicht beschädigen und damit auch auf Dauer die Malereien.
Apropos Wasser. Der bekannte saure Regen hat schon manche Felsritzungen unwiderruflich zerstört. Besonders die Ritzungen in Bohuslän im Bereich Tanum sind davon betroffen. Nachweislich handelt es sich dabei um Luftverunreinigungen – aus dem Ruhrgebiet! Die einzige Gegenwehr wäre, die Fundstellen zu überdachen – eine finanziell und wohl auch technisch unmögliche Maßnahme.
Aber Felsritzungen (die Nordländer sprechen nicht von Zeichnungen sondern von Ritzungen, also ristningar bzw. ristninger) gibt es nicht nur in Skandinavien, Italien und Nordafrika, nein, sie gibt es fast überall, wo es Fels gibt (aber eben keine oder nicht so geeigneten Höhlen wie in Frankreich und Spanien!). Es gibt sie in Russland, in Indien, in Nord-, Mittel- und Südamerika und natürlich auch auf den zahlreichen Karibikinseln. Man findet sie in China und im südlichen Afrika, auf den Inseln des Pazifiks und der Mongolei. Und was daran besonders faszinierend ist – die Motive sind fast miteinander identisch, nur leicht auf die jeweilige Gegend abgestellt. Jagdmotiv in Skandinavien vielleicht das Rentier, in Südafrika das Gnu, in Nordamerika der Büffel und in Südamerika das Lama. Und Schamanen gibt es sowieso überall. Die Bronzezeit befasst sich dann mehr mit der Landwirtschaft. Pferde und Ochsen vor Pfluggeräten. Herbeigesehnter Regen. Bedrohlicher Nebel. Es gibt kaum etwas, was aus dem damaligen Leben nicht „zu Stein“ gebracht wurde.
Übrigens: Außer Felsritzungen und Höhlenmalereien findet man, wo vielleicht beides technisch mangels entsprechender Unterlage – kein Fels, keine Höhle vorhanden – nicht oder nicht so leicht bzw. andere Formen leichter möglich waren, noch weitere Darstellungsformen. Auf Neuseeland z. B. zusätzlich noch Baumritzungen, auf Vanuatu findet man Sandmalerein. Peru hat als Besonderheit die Scharrbilder von Nazca. Und in den arktischen Gebieten des nördlichen Nordamerika musste das Elfenbein von Walen herhalten.
Diese Erinnerungen an ganz alte Zeiten haben natürlich die Postverwaltungen vieler Länder, aber auch manche andere staatliche oder Privatunternehmen bewegt, ihnen in Form von Briefmarken und Stempeln, Geldscheinen, Münzen und Telefonkarten Ehre widerfahren zu lassen. Insgesamt haben bisher mindestens folgende 130 (!) Staaten das getan:
Ägypten Äthiopien Afar und Issa Algerien Andorra (frz.) Angola Anguilla Argentinien Armenien Aruba Aserbeidschan Aserbeidschan/Naxciva Australien Belgien Bhutan Bolivien Bosnien-Herzegowina Bosnien-Herzegowina / Serbische Republik Botswana Brasilien Canada Chile China (VR) Costa Rica Cuba Dänemark DDR Deutschland/West-Berlin Deutschland/BRD Djibouti Dominikanische Republik Finnland Frankreich Frz. Polynesien Frz. Westafrika Gabun Gambia Ghana Grenada Guinea-Bisau Guam Guyana Haiiti Indien Indonesien Irland Italien Jugoslawien Jungferninseln Kasakstan Kirgisien Laos Lesotho Liberia Libyen Liechtenstein Malawi Malediven Mali Marokko Marshall Islands Mauretanien Monaco Mongolei Namibia Neukaledonien Neuseeland Nevis Niederl. Antillen Niederlande Niger Niuafo’ou Niue Nordkorea Norwegen Ostafrikanische Gemeinschaft Österreich Palau Peru Pitcairn Islands Polen Portugal Qatar Rhodesien Ruanda Rumänien Russland (Saharaui) Salvador, El San Marino Schweden Senegal Simbabwe Slowakei Somalia Spanien Sri Lanka St. Kitts Nevis St. Lucia St. Vincent St. Vincent & the Grenadines Sudan Südafrika (RSA) Südkorea Südwestafrika Swaziland Tansania Tonga Trinidad & Tobago Tristan da Cunha Tschad Tschechien Tschechoslowakei Türkei Tunesien Turks and Caicos Islands Ukraine Unesco (Frankreich) Ungarn Uruguay Usbekistan USSR Vanuatu Venda Venezuela Vereinigte Staaten (USA) Vereinte Nationen Genf Vereinte Nationen Wien Vereinte Nationen New York Vereinte Nationen Interimsverwaltung Kosovo Zentralafrikanische Republik
Und vermutlich auch noch Japan.
Und in welchem Umfang? Bei Briefmarken und Ganzsachen kommt man auf knapp 600 Exemplare. Belege, also Stempel und ähnliche mehr oder weniger postamtliche Dinge, kommen auf gut 500 Exemplare.
Damit der an diesem Sammelgebiet interessierte Philatelist einen einigermaßen guten Überblick hat, habe ich dazu einen bebilderten Katalog erstellt. Sie finden ihn unterXXXXXXXXXXXXX. Er ist noch ein wenig in der Frühphase, d. h. es fehlen noch ein paar Angaben über erst mehr oder weniger kürzlich erschienene Neuausgaben. Ich bin im übrigen für jede Korrektur und jeden Erweiterungshinweis dankbar. Besonders, wenn Sie mir für Abbildungen gescante Bilder als Anhang per e-mail unter khueckel@t-online.de zusenden.
Wer sich für die thematische Philatelie entscheidet, füllt nicht wie der reine Ländersammler hauptsächlich Katalognummer-Lücken, sondern er befasst sich auch intensiv mit dem Inhalt seiner Sammlung. Dazu bedarf es gerade für dieses Sammelgebiet einer ziemlich umfangreichen Literatur. Mir steht dazu eine etwa 6 m umfassende eigene Bibliothek zur Verfügung. Was es also zu diesem Thema an Nachschlagematerial gibt, können sie meiner Literaturliste unter XXXXXXXXXXXXXX entnehmen. Zum Glück gibt es aber heutzutage auch das Internet, so dass man nicht unbedingt ganze Bibliotheken kaufen muss. Bücher, vor allem Bildbände, sind ja auch nicht gerade billig.
Wenn ich hier von Höhlenmalereien spreche, so meine ich nicht die asiatischen Tempelgrotten oder Grottentempel mit ihren Malereien, die eher schon um ihrer selbst wegen angelegt wurden. Sozusagen l’art pour l’art asiatischer Prägung. Ich halte sie für ein besonderes (und auch besonders schönes!) Sammelgebiet, aber eben mit einem ganz anderen geistigen Hinter- und Beweggrund. Indien, Laos, Thailand, China, Korea, Japan, Ceylon bzw. Sri Lanka und etliche mehr können mit ihren Marken ganze Alben füllen und jeden Kunstsach-verständigen in Entzücken versetzen. So ganz kann man das von den stein- und bronzezeitlichen Ritzungen nicht sagen, allerdings doch auch von den wunderschönen Bildern des Cro-Magnon-Menschen und seiner Vor- und Nachfahren.
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